Toscanis Bullshit und 1 x Alibaba

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Shocking & genial: Oliviero Toscani gehört zu den Großmeistern der Werbung. Bei Serviceplan zog der 76jährige jetzt ordentlich vom Leder.

Toscani protestierte einst gegen die Todesstrafe, den Krieg und gegen Aids – alles für Benetton. In 18 Jahren, bis 2000, machte er die Modemarke weltberühmt. Und Toscani, mittlerweile 76, ist kein bisschen ruhiger geworden. Das zeigte er beim Innovationstag der Münchner XXL-Agentur Serviceplan. Denn er brachte Alex Schill, den obersten Kreativchef der Agentur, ganz schön ins Schleudern.

Oliviero Toscani: Benetton ist kein Thema mehr

Begehrte Charts : Terry von Bibra, Alibaba
 

Sympathisch & leicht blass: Joko Winterscheidt (r.) mit RTL-Moderator Wolfgang Kons

Freundschaft nach dem Bühnenduell: Serviceplan-Kreativo Alex Schill (l.) mit  Toscani

 

MÜNCHEN – Vor 400 Gästen wollte der Serviceplan-Talker, hochdekoriert mit diversen Kreativpreisen, einen launigen Plausch mit seinem italienischen Stargast führen. Der 76-jährige wollte das auch. Nur anders. Toscani:

• „Künstliche Intelligenz ist Bullshit. Jedes große Projekt ist aus einem menschlichen Traum gemacht, nicht von einer Festplatte.“
• „Marketingleute wollen immer sicher sein, deshalb werden sie nie kreativ sein.“
• „Wenn du eine Idee hast, fürchte dich nicht vor der Angst.“
• „Der Begriff Artdirector ist ein Widerspruch in sich. Denn einen Direktor der Kunst kann es nicht geben. Die Kunst ist frei und unabhängig.“
• „Bei den Briefings mit Benetton habe ich immer genau zugehört und dann genau das Gegenteil gemacht.“

Der einstige Werbeskandal von Benetton? Für Toscani – in Jeansjacke, roter Hose und alten roten Nike-Sneakern – kein willkommenes Sprechthema. Da zauberte Schill ausgesuchte Schockfotos an die Videowall. Eine Galgenszene, eine Nazi-Demo – darauf hebelte der Kreative das grüne Benetton-Logo. „Was sagen Sie dazu?“ – Antwort: „Bullshit!“ Es tobte der Saal.

Der Innovationstag von Serviceplan ist nach 14 Jahren ein Fixpunkt für Deutschlands Medien-, Marketing- und Agenturszene. Jedes Jahr holt Europas größte eigentümergeführte Agentur Top-Leute der Branche nach München. Neben Toscani dieses Mal auf der Bühne: Minister a.D. Sigmar Gabriel, Prof. Jürgen Schmidhuber, der „Vater der modernen künstlichen Intelligenz“, Julia Jäckel, CEO Gruner + Jahr, Tyler Brûlé und seine Luxusmagazine Monocle, Terry von Bibra von Alibaba (Foto 2)  und Joko Winterscheidt, der TV-Mann, den´s jetzt auch als Magazin gibt. Aber Joko blieb leicht blass auf der Bühne. Ein anderer war der Star.

Daniel Häuser, Chefredakteur von Clap, glaubt, dass Terry von Bibra die meisten Handyfotos generierte. Stimmt. Bibra, der Ex-Kommandant von Yahoo ist jetzt Europa-Chef des chinesischen Online-Giganten Alibaba. 400 Gäste machten große Augen beim Crash-Kurs ins neue E-Reich der Mitte: Taobao, Fliggy, Youku und Lazada sind lauter Bestsellermarken von Alibaba. Werbung, Retail, Transport, Bezahlung – macht alles der Handelskonzern. Mit guten Gewinnen. Allein im ersten Quartal 2018 verkündete Alibaba ein Umsatzplus von 61 Prozent…

PS: Geteilte Mühe ist halbe Mühe. Das gilt auch für die Kosten. Für den Mega-Event, zu dem auch die CMO-Gala für den besten Marketing-Mann Deutschlands gehört (wir berichten später darüber), hat Serviceplan namhafte Sponsoren akquiriert: die Mediengruppe RTL, die Frankfurter Allgemeine, Gruner + Jahr, Samsung und Antenne Bayern.

Italienische Nachspielzeit

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München – Wie sieht´s aus, das Leben nach einer verkorksten Fußball-WM? Wir blicken übern Brenner – und wundern uns, mal wieder. Italien, exklusiv nicht bei der WM, schwelgt vor Sportbegeisterung! Dafür sorgen die Sportzeitungen mit Sonderseiten. Ronaldo bei Juve, Tour de France,  Moto-GP und Formel1 – italienische Sport- und Lebenslust braucht keine Russland-WM. Und die Marken machen munter mit. Vierfarbig und ganzseitig. Sie schalten Printanzeigen. Wovon deutsche Verlagsmanager träumen, ist in Italien eine schier unendliche Kampagnen-Galerie. Nur bei Adidas gibt´s lange Gesichter. Bitte sehr:

Fast wie im siebten Himmel: Mit einer Hommage an Leonardo da Vinci wirbt Inter Mailand für die neuen Saisonkarten.


Ronaldo Superstar: Jeder Schritt ist für die Kollegen eine Headline wert.

Top-Kunde Sky: Der Sender schaltet fast täglich. Manchmal 4 Seiten im Verbund.

Schloss Neuschwanstein an der Autobahn: Abarth sieht´s so.

Rennrad-Sieger John Degenkolb ist Testimonial von Superfood.

Was solln des sein? Ein quadratischer Super-Power-Drink mit Ronaldo.

Neben der berühmten Arena wird auch Fußball gespielt: Veronas neues Trikot.

Nimmt sich für Visa selbst auf den Arm: Skandal-Kicker Zlatan Ibrahimovic.

Dankes-Anzeige zum Motorradsieg von der Prosecco-Marke Bacio della Luna.

Cool & edel: Juventus-Sponsor Hublot, übrigens auch beim FC Bayern im Spiel.

Radrennfahrer Vincenzo Nibali ist nicht nur in Italien ein Super-Star.

500.000 Ronaldo-Trikots (Fotos) wurden in Italien innerhalb weniger Tage verkauft. Bei Adidas, dem Juve-Ausrüster, löst das eher keine Jubelstürme aus…

… sind doch die Shirts in Italien für 35,- € zu haben. Alles original, mit Hologramm und Stempel. Nur das Adidas-Logo fehlt. Eine vertragskonforme Aktion des Juventus-Merchendisings. Wer zum Ronaldo-Design auch das Adidas-Logo haben will (siehe ganz oben), der zahlt 89,- €. Wir haben damit niemanden gesehen…

Print gewinnt – manchmal

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München – Eigentlich ist´s wie im Fußball: Die Printanzeige gehört, wie das Kicken, zur deutschen Kulturgeschichte. Oftmals totgesagt hält sie sich wacker. Aber wie im Fußball gibt es Anzeigen, die man schlichtweg vergessen kann. Grässlich und nichtssagend gegen überraschend und einfach treffend. Wie laufen aktuell die Kreativ-Spiele der Werber? Urteilen Sie selbst. Hier der Print-Überblick zur Fußball-WM.

 


Netto hat mit seiner Anti-Zucker-Kampagne einen Shitstorm XXL ausgelöst. Zurecht?

Auch der gute alte Sportscheck versucht´s mit leichter Provokation. Immerhin mal wieder ein Lebenszeichen.

Wir erinnern uns an die Erfolgsjahrzehnte von Heye und McDonald´s. Sind vorbei, wie man sieht. Ein Gurkenmotiv, zehn Lichtjahre entfernt von der Sixt-Vorlage (Merkels Cabriofrisur).

Auch bei diesem Motiv kam leichtes Frösteln auf in der Redaktion. Weniger bei den Redakteurinnen: „Riecht doch ganz frisch.“ Die Männer grummelten nur „Blut-Grätsche“.

Mit dem Skateboard in die Zielgruppe: Theoretisch eine ganz gute Idee vom Fußballsponsor Ergo. Nur: der runderneuerte Vati paddelt lieber stand-up oder radelt auf Carbon.

Fünf war nicht Trümpf. Samsung Germany hat gleich mit dem ersten Motiv Aufstellungsprobleme. Khedira und Özil (v.l.) „reif für die Ersatzbank“ (Bild), Sané (2.v.r.) durfte gar nicht mit. Jetzt neues Motiv mit neuen Stars.

Düster und leicht unheilvoll: Der Spielplan, den die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte. Entsprach irgendwie der Handschrift…

…von Mercedes. Auch hier viel Schatten und ein bisschen Traurigkeit. Die „best-never-rest“-Kampagne des Autobauers ist die Abschiedsvorstellung eines Hauptsponsors. Ab kommenden Jahr ist VW der neue und exklusive Autopartner des DFB und damit der Nationalmannschaft.

Oli Kahn, der Titan, als Testimonial des Wettanbieters Tipico: Ein Volltreffer. Denn der prominente Ex-Keeper spricht jeden zweiten Tag als ZDF-Experte.

Letztes Hemd verwettet? Den Redakteurinnen graust´s leicht…

Für alle Wettanbieter ist die WM Hochsaison: Viel Geld investierte bwin für Diego Maradona. Diego dick & fett. Das finden nicht nur Senior-Redakteure traurig…

Doch lieber Lotto spielen? Zwar sind die Chancen für einen Sechser mit Superzahl bei 1:140 Millionen. Aber immerhin besser, als aufs falsche Pferd gesetzt.

Deutschlands 1. abgeschlossener Fotoroman zur Formel Elektro

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Zürich/München – Die Formel1 hat immer noch Power: 5,71 Millionen guckten auf RTL den Grand Prix von Kanada. Nur zwei Stunden vor der F1 startete in Zürich die F-E – die Formel Elektro. 150.000 Zuschauer, also rechnerisch fast die Hälfte der Zürcher, kamen in den Renncampus. Das Schweizer Fernsehen übertrug. Bei Eurosport lief der „Kampf der Batterien“  tagelang in Wiederholungen. Nur: Die TV-Reichweite der Benziner bleibt unerreichbar. Noch. Aber warum drängen immer mehr Marken in die Formel E? Was ist so toll am aufpufffreien Wettkampf? Deutschlands erster abgeschlossener Fotoroman bringt Licht ins Dunkel.

 


Die Show-Bühne: Bei der Formel1 längst gestrichen, bei der Formel Elektro mit Megaprogramm zum Nulltarif.

Das Key Visual: Früher waren die F1-Plakate Sammlerstücke. Heute lieblos & kostengünstig. Die neue Racing-Plakatkunst kommt aus der Formel E. Dynamisches Kulissen-Painting der jeweiligen Rennorte, wie hier das Zürich-Motiv.

Die Boxenstraße I: Eng, überschaubar und offen für alle Ticketinhaber. Fahrer, Teamchefs, Sponsoren-CEO – alle mittendrin. Ohrenstöpsel nicht notwendig, nur Pressluftschrauber stören die E-dylle. Sofort wieder abbaubar: die Holzboxen mit dem Vip-Bereich obendrauf. Kein Stahl, kein Beton, den Umweltfreund freut´s.

Quick & praktisch: Gegenüber den Boxen sind die gelben DHL-Behälter zum Abtransport. Spart Wege und Energie.

Tolle Karosserien, wie früher bei der Formel1. Aber statt Multi-Elektronik gibt´s bei der Formel E einfache Pappschilder zur News-Übermittlung.

Die Boxenstraße II: Die Elektro-Autos müssen über Kopfsteinpflaster. 1x anfassen kostet nix. In der Formel1 undenkbar, mit Ausnahme Monte Carlo.

Promi-Faktor: Nach Zürich kamen diverse Bunte-Promis (u.a. Naomi Campbell). Viel interessanter aber war die Anzahl der Werbe- und Agentur-Chefs. Wir zeigen Agentur- Director Karsten Bentlage (Lagardére). Der Münchner Agentur-Chefpilot Armin Gastl (Outright) war auch da, wie Christian Baertschi von Serviceplan. Heißt: die Sponsoring-Szene ist heiß auf die F-E – und verlässt die Formel1.

Die Streckenführung in Zürich: Es ging mitten durch die Stadt, genauer gesagt durch das Banken- und Versicherungsviertel. Ein Stadtkurs hat viele Vorteile gegenüber einem Formel1-Outback-Ring (Abgase, Abzocke, verwüstete Natur, Trunkenbolde, etc.). Der Kurs in Zürich ist trotzdem langweilig (2 XXL-Geraden, ein paar Kurven). Dazu kommt: kein Adrenalin wg. fehlendem Donnersound. Und die 150.000 Zuschauer? Sie kommen, weil sie neugierig sind auf Elektromobilität. Sie pilgern durch das E-Village (auf dem Plan die bunten Flächen). Hier zeigen die großen Auto- und Elektronikmarken ihre neuesten Modelle. Der Vati darf sich mal reinsetzen, die Mutti macht das Foto. Viel Action, viele Aktionen, viele Infos. Die Kids sammeln Fähnchen und Luftballons. Es gibt Würstl oder irgendwas mit Bio – und die Leute sind happy! Nannte man früher: Eventbasierter Aufbau einer Kundenbeziehung.

Titelsponsor ABB: Sorgte für Aufsehen mit einem Holzturmgebäude, das sich quer über die Rennstrecke spannte. Eine biologisch einwandfreie Konstruktion. Vorm Start spendierte das Unternehmen der Stadt Zürich 30 Schnellladestationen

ABB im E-Village: Gezeigt wurde ein E-Boot, das ideal wäre für James Bond. Der Flitzer, der auch live auf dem See zu sehen war, hebt sich bei höherer Geschwindigkeit aus dem Wasser und gleitet dann nur auf zwei Finnen.

BMW zischte vor dem Start mit den Ehrengästen über die Piste – lautlos.

Mercedes präsentierte im E-Village seine eq-Modelle. Ab 2019 startet die Marke in der Formel E. Dafür wurde der DTM gekündigt.

Der kleine Microlino war auch in Zürich ein Topstar. Der Elektro-Zweisitzer schafft Tempo 90 und 30 Kilometer. Schon 6.300 Bestellungen (a 12.000,- €).

Auch der kleine Smart setzte sich groß ins Bild. Vom See aus wurde ein Fahrzeug per Schiffsbagger (links) auf eine Badeinsel gehoben. Dann durfte gefeiert werden. Fotograf stand etwas weit weg vom Tatort, kam nicht rein zur Party – sorry.

Nix Oldschool zum 70. Geburtstag: Porsche zeigte im Allianz E-Village neben dem Carrera und neuen E-Modellen auch seine Freude über die Mitfahrgelegenheit in der kommenden FormelE-Saison

Audi holte sich mit Lucas di Grassi in Zürich den Sieg und in der Stadt mit XXL-Plakatauftritt Sympathien.

Kein Geld, nur Mut: Play and win!

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München – Es gibt in München eigentlich nur drei Marketing-Adressen von nationaler bzw. internationaler Relevanz: Das ist einmal die XXL-Agentur Serviceplan, der Münchner Marketing Club und schließlich Prof. Dr. Anton Meyer, Vorstand des Uni-Instituts für Marketing. In seiner Funktion als Vorstand der Fördergesellschaft Marketing (FGM) lädt der emsige Prof. nun zum 44. Marketing-Symposium an die Münchner Ludwig-Maximilians-Uni. „Play and win“, so das Motto für den 13. Juli.


BBQUE: M. Lubomirski

LMU: Kathrin Lührs

LMU: Nina Bürklin

Samsung: Younghee Lee

Chef & Initiator: Prof. A. Meyer

Die Ludwig-Maximilians-Universität München ist am 13. Juli Treffpunkt zum 44. Marketing-Symposium

Aber keine Angst. Allein das Programm verspricht Glück für alle Besucher. Sie erhalten knack-frisches Wissen aus dem Marketing. LMU-Prof. Anton Meyer hat wieder seine Kontakte spielen lassen und Hochkaräter für die Bühne im Audimax verpflichtet. Hier einige names & brands:

  • Younghee Lee, Global CMO des Weltkonzerns Samsung, hat ihren Vortrag unter das ungewöhnliche Motto gestellt „do what you can´t“.
  • Rolf Sigmund, Deutschland-Chef von L´Oreal, spricht über „brands and strategic brand bulding“.
  • Der BBQUE-Co-Gründer Michael Lubomirski gibt Ratschläge, wie man vom Amateur zum Profi wird: „Mit Mut, Kreativität und null Kapital.“
  • Die beiden FGM-Vorstände Kathrin Lührs und Nina Bürklin referieren über Science Insights, Sharing Economy und „von Gefühlen und Kooperationen“.
  • Der jetzt in Berlin tätige Prof.
Christian Blümelhuber hat seinen Vortrag unter die Überschrift gestellt: „Wenn Du gewinnen willst, dann musst Du auch spielen.“
Am Vormittag dieses 13. Juli gibt es zwei Workshops, ab 13 Uhr läuft – wir betonen es gerne – die 44. Ausführung des Münchner Marketing-Symposiums.
Gerade in Zeiten von Abspeck-Etats und Oberflächen-News muss Prof. Anton Meyer Anerkennung gezollt werden. Mit u.a. der Bayern LB, Fujitsu, DKB, Bürklin, WMF und der Augsburger Aktienbank hat der sportliche Turbo-Prof wieder namhafte Sponsoren akquiriert. Dazu kommen u.a. Segafredo, Paulaner, die Deutsche Post und Audi.
Auch headline1.de ist wieder mit von der Partie. Als Medienpartner, wie auch brand eins und w&v. Tickets gibt´s ab € 190,- (Studenten € 20,-). Buchung und Infos unter www.marketingworld.de

Weckruf digital

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München – „Die Zukunft gehört Print“: Viel Zuversicht und Kampfgeist war zu hören bei der Jahrestagung des Verbandes der Zeitschriftenverlage in Bayern (VZB). Dabei plädierte VZB-Chefin Waltraut von Mengden für gleiches Recht aller Medienanbieter und gegen die Sonderwege von Google & Co. Dass nicht alles Gold ist, was in der digitalen Welt glänzt, bewies Prof. Manfred Spitzer. 200 Gäste horchten auf, als der Neurowissenschaftler in seinem Vortrag analysierte: „Print schlägt digital“.

Warnt vor dem digitalen Overload: Buchautor Prof. Manfred Spitzer

VZB-Chefin Waltraut von Mengden mit Ministerpräsident Söder und VDZ-Chef Rudolf Thiemann

Neben der höheren Glaubwürdigkeit von Gedrucktem, so Spitzer, hätten wissenschaftliche Untersuchungen immer wieder ergeben, dass ein Text über Google weniger im Gedächtnis bleibe als der in gedruckter Form. Der Buchautor ( „Digitale Demenz“) warnte auch vor einer Über-Digitalisierung in den Grundschulen. Je mehr Elektronik im Unterricht, so Spitzer, desto schlechtere Ergebnisse in den Pisa-Studien. Deshalb hätten diverse Länder den Digital-Einstieg in den Unterricht in höhere Schulstufen verschoben.
Als „führenden Verlagsstandort“ beschrieb Ministerpräsident Markus Söder „sein“ Bundesland
Bayern. In seiner Dinner Speech erklärte er: „Mir ist wichtig, dass Print stark und wettbewerbsfähig bleibt.“ Deshalb werde er einen Mediengipfel in der Bayerischen Staatskanzlei veranstalten. Besonders stolz an diesem Tag: Waltraut von Mengden.
Sie wurde wieder einstimmig zur Ersten Vorsitzenden des VZB gewählt, bereits zum dritten Mal.
Der bayerische Verband vertritt die Interessen von 96 Zeitschriftenunternehmen, darunter Hubert Burda Media, Condé Nast, Vogel Business und den Bild Verlag. Der VZB mit Sitz in München wurde vor 70 Jahren gegründet.

Ausstieg für eine Handvoll Oliven

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München/Madrid – Man wird doch wohl mal träumen dürfen: Nach dem Exit (Rauswurf, Hausverbot, Frührente, etc.) ab zum Wunschtraum-Startup in den Süden! Klappt nicht immer. Bei Bernd Pischetsrieder, dem Ex-BMW-Boss, schon. Er ist jetzt anerkannter Weinproduzent mit eigenen Weinbergen in Österreich (nicht zu verwechseln mit Aldi-Weinlieferanten Günther Jauch – kein Exit, nur Hobby). Topaktuell können wir einen außergewöhnlichen Aus- und Umstieg vermelden: Hartmut Zastrow, Erfinder der modernen Sponsoring-Forschung und Gründer von Sport + Markt, hat sich in Spanien einen 500 Hektar großen Naturpark gekauft. Liefert jetzt Olivenöl und Lammfleisch. Mit von der Bio-Partie: Studienfreund und Kollege Torsten Zoega.
Sport + Markt war ab Mitte der 90er Jahre die international wichtigste Marke für die Erforschung des Sportsponsorings. Zastrow und Zoega, die beiden Absolventen der Sporthochschule Köln, ergründeten wo und wann und wie Sportsponsoring seine Wirkung hatte. Die Formel1, der Fußball, Handball oder Leichtathletik – per Knopfdruck lieferte Sport + Markt Analysen und On-Screen-Zeiten aus gigantischen Datenbanken.
Aus der Zwei-Mann-Bude mit Hauptsitz in Köln war ein Beratungs- und Forschungsunternehmen geworden, mit 140 Mitarbeitern und Büros in sieben Ländern. Zastrow: „Ich war damals viel in München. Der FC Bayern gehörte zu unseren Kunden.“ Die gesamte Bundesliga kaufte Daten und Analysen von Sport + Markt. Genau so wie die ChampionsLeague, der spanische, der italienische und der englische Fußball. 100 Clubs standen auf der Kundenliste, dazu TV-Sender und die Sponsoren, die wissen wollten, welche Effekte ihr Millionen-Investment erzielt.
Der Laden brummte (ca. 90 Mio € Umsatz). Sport + Markt sammelte weiteres Kapital durch Teilverkäufe an Repucom und an einen US-Investor, 2012 wurden die Karlsruher Sportanalysten IFM übernommen und schließlich ging das Konstrukt komplett von Nielsen, dem Weltmarktführer
in Sachen Marktforschung (heißt heute Nielsen Sport).
Was macht man mit Mitte 50 und einem dicken Bankkonto?
Das Duo Zastrow/Zoega gründete die neue Marke „Gold der Extramadura“. Das ist feinstes Olivenöl aus dem Paradies, so jedenfalls der Verkaufsprospekt: „In nahezu perfekter Symbiose mit unseren Merino Schafen, den natürlichen Gärtnern.“
Mit Unterstützung von Zastrows Ehefrau, einer Spanierin, hatten die beiden Sportmanager eine 5 Mio Quadratmeter große Finca an der Grenze zu Portugal gekauft. Zastow kümmert sich um die Erne („pro Jahr nur 3000 Kilo“), die Renovierung der Gebäude und um ein paar Hundert Schafe. Kollege Zoega sorgt mit der Ex-Sport-und-Markt-Kollegin Kerstin Krug von Hamburg aus für den Vertrieb des Edelstoffs (1/2 Liter für € 13,95).
„Irgendwann“, so der frisch ausgebildete Öl-Sommelier Zastrow, „gehen wir ganz nach Spanien.“ Auf alle Fälle schon jetzt eine interessante Vormerk-Adresse für alle angehenden Aussteiger. Wenn die Renovierungen abgeschlossen sind, soll auf La Morera, 400 Kilometer von Madrid entfernt, Erlebnis-und-Entschleunigungs-Urlaub mit Bio-Feeling locken. Der goldene Info-Klick: www.gold-der-extremadura.com

Gerhard und die starken Marken

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München – Von wegen München im Winterschlaf: Kurz nach der 5:0-ChampionsLeague-Gala des FC Bayern die Best-Bands-Gala von Serviceplan im Bayerischen Hof. Da knallen die Korken! Die Münchner Agentur feierte die besten Marken, die treuesten Kunden und natürlich sich selbst. Ein A-Termin für die deutsche Marketing-Szene. Zur 15. Auflage der Best Brands kamen 600 Marketing-Vips und Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Der einstige Chefvermarkter der SPD sorgte für Aufsehen.


Spritzig & witzig: Moderator Klaas Heufer-Umlauf

Gastgeber Florian Haller mit Altkanzler Gerhard Schröder und So-Yeon Kim

Bestens gelaunt:Anina Veigel und Waltraut von Mengden vom Verband der Zeitschriftenverlage Bayern

Mit dem Surfergruß holte sich Nike die Siegertrophäe bei SevenOne-Chef Thomas Wagner

Christiane Wolff (Serviceplan) mit Flughafen-Werber Martin Korosec

Florian von Hornstein (Serviceplan), Berater Bela Anda und Jochen Rotthaus (Bayer Leverkusen)

Viel Aufmerksamkeit, dichtes Gedränge: Start zu den Best Brands 2018

Ein prominenter Keynote-Speaker gehört zur Dramaturgie der Münchner Best Brands. Giovanni di Lorenzo (Zeit), Ex-Bundespräsident Christian Wulff und Apple-Co-Founder Steve Wozniak waren schon da. Nun also der Aufsichtsratschef von Hannover 96 und des Pipeline-Konsortiums NEGP, einer Gazprom-Tochter. „Herr Bundeskanzler, wir erwarten keine Rede. Wir erwarten einen Befehl“, so kündigte Moderator Klaas Heufer-Umlauf Stargast Schröder an. Der hatte vorher schon für große Aufmerksamkeit gesorgt. Der 73jährige brachte nämlich seine neue Liebe So-Yeon Kim (48) mit in den Bayerischen Hof. Die koreanische Wirtschaftsexpertin klatschte mehrere Male während des 90-Minuten-Vortrags ihres Lebensgefährten. Dabei ging
es weniger um Marken und Marketing, sondern um Politik global und national.
Nach Altkanzler Schröder durften die Siegermarken auf die Bühne: Ikea, Nivea, Lay´s und Nike. Die Gewinner wurden auf Basis umfangreicher GfK-Studien ermittelt.
Neu bei diesen 15. Best Brands: Keine Schecks mehr für die Sieger, die sich damit Medialeistung holen konnten. Angeblich hatte Tesla im vergangenen Jahr den Gutschein abgelehnt, weil man keinerlei Werbung schalte.
Auch ohne Schecks herrschte beste Stimmung und dichtes Gedränge am Buffet. Nach Cremesuppe vom Hokkaido Kürbis, Strozzapreti Pasta in Perigord-Trüffelrahm und Gelben Thai Curry ging die Gala bis spät in die Nacht.

Neues vom Sportsponsoring

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München/Düsseldorf – Es ist so was wie das Hochamt des internationalen Sportsponsorings: In Düsseldorf trifft sich für zwei Tage die Crème de la Crème der Szene. Es geht um Sport und Business. Deshalb heißt der Kongress SpoBis. Rund 3000 Besucher aus aller Welt erwartet der Veranstalter, die Fachzeitschrift Sponsors. 150 Referenten diskutieren über die Zukunft der Branche und nicht nur über den Fußball. Ein Top-Termin am 30. und 31. Januar.


Beim SpoBis: Gerhard Berger, DTM

Referiert über den WM-Sieg: DFB-Direktor Oliver Bierhoff

Christian Deuringer, Allianz

Uli Hoeneß vom FC Bayern

Gastgeber Marco Klewenhagen

Fußballkritisch: BayWa-Chef Klaus Josef Lutz

Thorsten Mattig von BMW

Null Bock auf Bundesliga: Wolfgang Grupp, Trigema
Was vor vielen Jahren zur Sportartikelmesse ISPO begann, hat sich in Düsseldorf in elf Jahren zum Top-Termin des Sportsponsorings entwickelt. Der Kongress in Düsseldorf ist zum Must geworden für Agenturen, Medien und Anbieter.
Ein Schwerpunkt beim diesjährigen SpoBis sind die chinesischen Marken, die sich zunehmend im Weltsport positionieren. Ein anderer Trend: die Selbstvermarktung der Clubs und Vereine. „Aber bei aller Inhouse-Euphorie dürfen dabei die digitalen Hausaufgaben nicht vernachlässigt werden“,sagt dazu Marco Klewenhagen von Sponsors
Die Hauptrolle beim SpoBis spielt aber der Fußball. Keine Sportart, die mehr Gelder auf sich zieht. Ist der Profi-Fußball im Wandel? Diese Frage soll beim Kongress prominent beantwortet werden. Die Diskutanten: Uli Hoeneß vom FC Bayern und Clemens Tönnies vom FC Schalke 04. Auf den Podien sind aber auch kritische Fußball-
Stimmen eingeplant. Zum Beispiel:
Wolfgang Grupp von Trigema. „Warum ich nicht mehr in die Bundesliga investiere.“ Oder BayWa-Chef Klaus Josef Lutz: „FC Bayern ja, aber Fußball nein.“
Weitere Programmpunkte u.a.:
Gerhard Berger über die „neue“ DTM, Oliver Bierhoff über den WM-Sieg 2014, Hansgrohe-CEO Thorsten Klapproth über seine Engagement im Radsport und Red-Bull-Manager Erich Wolf über „Air Race“. Die Allianz und Mercedes werden über ihre neuen Sponsoringkonzepte referieren und es geht um die Frage, welche Rolle Drohnen in Zukunft bei die Sportübertragungen spielen werden.
Zwei Tage Sportbusiness total in Düsseldorf. Die Stadt gehört übrigens zu den Hauptsponsoren des Kongresses, wie u.a. auch Philips, SAP, Allianz die Telekom und Eurosport. Die Ticketpreise gehen von 51 bis 2.170 Euro. Weitere Infos unter www.spobis.de

Lauf los, Amir!

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München/Arrecife – Weihnachtszeit, Geschenkezeit, Überraschungszeit. Ein ganz spezielles Kreativpaket aus dem Ressort Marketing landete kürzlich
auf der Kanareninsel Lanzarote. Absender: Seat. Verpacker: Amir Kassaei. Der einstige Frontman der deutschen Kreativszene dirigiert jetzt den weltweiten Auftritt von Seat. Und auf der kleinen Insel startete die VW-Tochter die Erschließung einer ganz neuen Zielgruppe. Es geht um die Extremläufer. Seat war Sponsor des „Haria Extreme“. 94 Kilometer
querfeldein über die Lavafelder. Eine Strategie mit vielversprechender
Laufleistung.

Eine Tortour unter Lanzarotes Wintersonne: der Haria Extreme über 94 Kilometer

Großauftritt im Runner´s High: Seat mit dem neuen SUV Arona

Die 50-Kilometermarke an der Famarabucht: Jetzt noch über 3000 Höhenmeter

Unten der Atlantik, oben blauer Himmel: dazwischen Blut, Schweiß und Tränen

Seit Jahrzehnten tummeln sich diverse VW-Marken auf den internationalen Sportplätzen. Audi fährt erfolgreich mit als Kfz-Ausrüster bei den großen Fußballclubs und ist unter anderem Hauptsponsor des alpinen Rennsports.
Skoda hat sich nachhaltig mit Eishockey positioniert, sponsert zusätzlich den internationalen Rennradsport. Und VW selbst ist in den letzten Vorbereitungen für einen Großauftritt im internationalen Fußball.
Als neuer Hauptsponsor der deutschen Nationalmannschaft und als Uefa-Sponsor bei der EM sollen ab 2019 rund 110 Millionen Euro fließen.
Außer kostengünstigem Randsport bleibt da für Seat nicht recht viel übrig. Tatsächlich fand Amir Kassaei, der Chief Creative Officer von DDB, eine entscheidende Lücke. Er gründete, mit Hauptsitz Barcelona, die exklusive Seat-Agentur C14torce. Immerhin jetzt 350 Mitarbeiter stark. Dann nahm man die Zielgruppe der Ultra-Läufer näher unter die Lupe. Diese Sportler sind nicht gerade vom Sponsoring verwöhnt. Trotz
Megaleistungen, wie die 100 Meilen von Berlin oder dem Ultra Trail Morokko Eco Sahara über 110 Kilometer, fehlt die Gesamtorganisation und damit eine zentrale Anlaufstelle.
In Spanien hat man diese marketingrelevante Schwachstelle beseitigt. Es gibt nun den organisierten „Spain Ultra Cup XL“. Sieben Mega-Läufe quer durchs Land, alle über 90 Kilometer lang. Und einer der härtesten ist der Lauf auf Lanzarote. „Ein Rennen, wie von einer anderen Welt“, so der Claim. Es geht 94 Kilometer über die scharfkantige Lava, 3.500 Höhenmeter inklusive. (Fotos oben). Inmitten des Runner´s High: Seat und sein neuer Arona, ein SUV (ab € 15.990,-). Interessanter Auftritt inmitten einer interessanten Zielgruppe: Gibt es doch Zehntausende von Ultraläufern, in der Regel gut verdienend, leistungsorientiert und reiselustig. Ein Potential, das Amir Kassaei schnellen Schrittes erobern kann. Ein Modell auch für die deutsche Langstrecke?
PS: Die Siegerzeit beim Haria Extreme war 8:58 Stunden.
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