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Oktober 2018

Guerilla-Marketing mit Flaschengeist

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Hotel-Chefin Nikola Reiter will die Münchner Golfer ins Burgenland locken. In ihr XXL-Naturparadies – 560 km von München entfernt. Lohnt sich das?

Hotel-Chefin Nikola Reiter

3000 verschiedene Weine in der “Genusswerkstatt”, dazu ein XXL-Spa

30 Lipizzaner gehören zu Reiters Reserve

München/Bad Tatzmannsdorf – Von der Isarmetropole aus betrachtet, klingt Süd-Burgenland so wie Nord-Baschkortostan. Also ganz weit weg. Und tatsächlich:. Bad Tatzmannsdorf liegt hinter Wien, gut sechs Autostunden von München entfernt. Aber die Reise ins Nirwana lohnt sich, besonders für den Kitzbühel-gelangweilten Golfer.
Auf geht´s in Reiters Reserve: In den sanften Hügeln rund um die Hotels laden gleich zwei eigene Golfplätze ein, 18- und 9-Loch. „Wir brauchen kein Halligalli“, sagt Hotel-Chefin Nikola Reiter, „wir bieten unverfälschte Natur und Erholung auf allerhöchstem Niveau.“
Fast alles in Reiters Reserve ist XXL: 120 Hektar Landschaft, 11.000 Quadratmeter Spa (incl. Koi-Karpfen), ein Reitstall mit 30 Lipizzanern, ein Blumenpark, die eigene Bio-Lebensmittelproduktion.
Jetzt im Herbst bringen nun die Reiters (Nikola mit Ehemann Karl) ihr Relax-Paradies in die Münchner Zielgruppe. Dem Geist aus der Flasche fällt dabei eine besondere Rolle zu. Denn zum Burgenländischen Landbesitz der Hoteliers gehören auch eigene Weinberge. 80.000 Flaschen gibt es pro Saison. Feinste Tropfen in Weiß und Rot. Pinot noir, Merlot, Chardonnay und Grüner Veltliner. Besonderes Kennzeichen: die liebevoll künstlerisch gestalteten Etiketten. Der Wein kommt nun in Münchner Gläser. Bei Weinproben (z.B. in Rindchen´s Weinkontor), auf Messen oder anderen Test-Events. Dazu liefern Facebook & Co. die kommunikative Unterstützung. „Unser Schwerpunkt liegt im Guerilla-Marketing“, sagt Nicola Reiter, „aber die bisherigen Ergebnisse überraschen uns positiv.“
Wer dann, z.B. nach den Anstrengungen der Medientage, etwas Entspannung sucht, für den bietet sich die „kleine Weltreise“ ins Süd-Bürgenland an. Erst Golf, dann Wellness – und im hauseigenen Weinkeller, der „Genußwerkstatt“, warten 3000 verschiedene Weine aus ganz Österreich zum Probieren. Nähere Infos: https://www.reiters-reserve.at

Toscanis Bullshit und 1 x Alibaba

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Shocking & genial: Oliviero Toscani gehört zu den Großmeistern der Werbung. Bei Serviceplan zog der 76jährige jetzt ordentlich vom Leder.

Toscani protestierte einst gegen die Todesstrafe, den Krieg und gegen Aids – alles für Benetton. In 18 Jahren, bis 2000, machte er die Modemarke weltberühmt. Und Toscani, mittlerweile 76, ist kein bisschen ruhiger geworden. Das zeigte er beim Innovationstag der Münchner XXL-Agentur Serviceplan. Denn er brachte Alex Schill, den obersten Kreativchef der Agentur, ganz schön ins Schleudern.

Oliviero Toscani: Benetton ist kein Thema mehr

Begehrte Charts : Terry von Bibra, Alibaba
 

Sympathisch & leicht blass: Joko Winterscheidt (r.) mit RTL-Moderator Wolfgang Kons

Freundschaft nach dem Bühnenduell: Serviceplan-Kreativo Alex Schill (l.) mit  Toscani

 

MÜNCHEN – Vor 400 Gästen wollte der Serviceplan-Talker, hochdekoriert mit diversen Kreativpreisen, einen launigen Plausch mit seinem italienischen Stargast führen. Der 76-jährige wollte das auch. Nur anders. Toscani:

• „Künstliche Intelligenz ist Bullshit. Jedes große Projekt ist aus einem menschlichen Traum gemacht, nicht von einer Festplatte.“
• „Marketingleute wollen immer sicher sein, deshalb werden sie nie kreativ sein.“
• „Wenn du eine Idee hast, fürchte dich nicht vor der Angst.“
• „Der Begriff Artdirector ist ein Widerspruch in sich. Denn einen Direktor der Kunst kann es nicht geben. Die Kunst ist frei und unabhängig.“
• “Bei den Briefings mit Benetton habe ich immer genau zugehört und dann genau das Gegenteil gemacht.“

Der einstige Werbeskandal von Benetton? Für Toscani – in Jeansjacke, roter Hose und alten roten Nike-Sneakern – kein willkommenes Sprechthema. Da zauberte Schill ausgesuchte Schockfotos an die Videowall. Eine Galgenszene, eine Nazi-Demo – darauf hebelte der Kreative das grüne Benetton-Logo. „Was sagen Sie dazu?“ – Antwort: „Bullshit!“ Es tobte der Saal.

Der Innovationstag von Serviceplan ist nach 14 Jahren ein Fixpunkt für Deutschlands Medien-, Marketing- und Agenturszene. Jedes Jahr holt Europas größte eigentümergeführte Agentur Top-Leute der Branche nach München. Neben Toscani dieses Mal auf der Bühne: Minister a.D. Sigmar Gabriel, Prof. Jürgen Schmidhuber, der „Vater der modernen künstlichen Intelligenz“, Julia Jäckel, CEO Gruner + Jahr, Tyler Brûlé und seine Luxusmagazine Monocle, Terry von Bibra von Alibaba (Foto 2)  und Joko Winterscheidt, der TV-Mann, den´s jetzt auch als Magazin gibt. Aber Joko blieb leicht blass auf der Bühne. Ein anderer war der Star.

Daniel Häuser, Chefredakteur von Clap, glaubt, dass Terry von Bibra die meisten Handyfotos generierte. Stimmt. Bibra, der Ex-Kommandant von Yahoo ist jetzt Europa-Chef des chinesischen Online-Giganten Alibaba. 400 Gäste machten große Augen beim Crash-Kurs ins neue E-Reich der Mitte: Taobao, Fliggy, Youku und Lazada sind lauter Bestsellermarken von Alibaba. Werbung, Retail, Transport, Bezahlung – macht alles der Handelskonzern. Mit guten Gewinnen. Allein im ersten Quartal 2018 verkündete Alibaba ein Umsatzplus von 61 Prozent…

PS: Geteilte Mühe ist halbe Mühe. Das gilt auch für die Kosten. Für den Mega-Event, zu dem auch die CMO-Gala für den besten Marketing-Mann Deutschlands gehört (wir berichten später darüber), hat Serviceplan namhafte Sponsoren akquiriert: die Mediengruppe RTL, die Frankfurter Allgemeine, Gruner + Jahr, Samsung und Antenne Bayern.

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