Monthly archive

März 2026

Kann ein Karikaturist auch Kinofilm, Herr Böhling?

in Artikel

Erst gefeuert, nun gefeiert. Peter Böhling, alias Bulo, gelernter Redakteur und leidenschaftlicher Karikaturist, taucht gerade als Co-Produzent eines Kinofilms auf. Wie geht das denn?

Happy & zuversichtlich: Peter Böhling in der Filmkulisse von „Niemandsland“

Karriere? Irgendwie war alles anders geplant. Böhling verdiente erste Meriten als Medien-Redakteur der Zeitschrift wuv. Für das Magazin produzierte er auch den Comic „Herr Scheffe“. Bis zum Cut 2003: Der Redakteur fällt ins Kündigungsprogramm des Süddeutschen Verlags (SV). Immerhin gab´s vor Gericht eine Abfindung.

Herrn Scheffe gab´s sogar als Buch

Mit dem ebenfalls mit SV-Hausverbot versehenen Kollegen Daniel Häuser gründete Peter Böhling das Medien-People-Magazin Clap. 12 Jahre journalistische Lichtblicke aus München. Aber kein Millionen-Objekt.

Klare Linien in 4 Bildern: der Herr Scheffe

Böhling, alias Bulo, wollte mehr. Als Karikaturist und Buchautor widmete er sich den Big Names. Unter seiner spitzen Feder landen u.a. Sandra Maischberger, Jan Böhmermann, Gabor Steingart, Dunja Hayali und Hubert Burda. Kollege Peter Turi lobt ihn als „Schelm unter der Narrenkappe“.

„Film ist irgendwie geiler“

„Print wird mir immer am Herzen liegen“, sagt Peter Böhling, „aber Film ist doch irgendwie geiler.“ Mit Markus von Luttitz gründet er die Gary Glotz GmbH, produziert Musikvideos und Zeichentrick. Nix Spielberg, nix Hollywood, aber neue Perspektiven.

Teamwork: Böhling und Markus von Luttitz

Die erreichen schließlich die Kinosäle. Das Duo Böhling/von Luttitz ist 2024 an der Produktion des Spielfilms „Zweigstelle“ beteiligt. Der Streifen unter der Regie von Julius Grimm ist ein überraschender Newcomer-Erfolg. Premiere im Sommer 2025 beim Münchner Filmfest. Anschließend kommen über 115.000 Kinozuschauer.

Gruppenbild nach letzter Klappe von „Niemandsland“ (v.l.): Yella Yari Fenner (Emerge & See), Böhling (Gary Glotz), Julian Adiputra Witt (Regisseur) und Stefan Elsenbruch (Emerge & See)

Gerade ist der 2. Kinofilm der München Co-Produzenten abgedreht: „Niemandsland“ unter der Hauptproduktion von Emerge & See. Mit Eidin Jalali, Lara Feith und Klaus Steinbacher vielversprechende Jungstars in den Hauptrollen. Es geht um einen Staat, der seine Bürger drangsaliert. Premiere im Herbst.

Spannend, interessant, neu – wie immer, wenn´s „made is by Peter Böhling“.

 

Audi in der Formel1: eine Geisterfahrt?

in Artikel

„Den Letzten beißen die Hunde.“ Dieses Sprichwort gilt in der Formel1 nicht immer. Wer geschmeidige Headlines liefert und seine Marke strategisch powert, der muss nicht unbedingt aufs Siegerpodest. Ganz weit weg vom Podest ist in diesem Jahr der Newcomer Audi. Nach nur zwei Rennen befürchten Insider: Audi F1 wird zum Geisterfahrer.

F1-Newcomer Audi: Rote Ringe über rotem Seitenkasten

Mit über 820 Mio TV-Fans ist die Formel 1 heute die größte Sportserie der Welt. Immer mehr Big Brands, wie zuletzt Louis Vuitton, American Express und Microsoft fahren deshalb mit. Das bringt Bekanntheit. Noch besser: eine nachhaltige emotionale Verbindung zwischen Marke und Sport. Weltweit.

Seit 2025 als Seriensponsor groß im Bild: Luxuslabel Louis Vuitton

Der deutsche Formel1-Markt leidet noch immer an der Schumi-Depression: Die Serie läuft nur noch im Pay-TV (3-4 x auf RTL), keine Rennen mehr in Hockenheim und auf dem Nürburgring, keine German Siegfahrer. Aber der Rest der Welt guckt fasziniert zu und jubelt z.B. für Mercedes.

Siegermarke Mercedes: Autor Peter Ehm mit F1-Modell 2021

Die Präsentationen der neuen Autos sind in jedem Jahr mediale Großereignisse. Da lassen etablierte Rennställe Sondermaschinen mit Gästen einfliegen. Red Bull produziert eine eigene TV-Show, die mehrfach läuft. Dagegen war die Audi-Präsentation eher „bayerisch“. Dicke Backen, wenig Aufregendes. Über Bild ließ man verlauten: „In zwei Jahren sind wir Weltmeister.“

Start frei in China: Audi-Pilot Nico Hülkenberg mit Paulaner auf dem Helm

Darauf freut sich bestimmt auch der Hauptsponsor des neuen Rennstalls: Revolut. Das ist eine seit 2015 in London ansässige internationale Neobank. Nach eigenen Angaben sehr erfolgreich (weltweit 65 Mio Kunden, 2,1 Mrd € Umsatz in 2023).

Leuchtendes F1-Display zeigt die neue Audi-Partnerschaft an

Was sind die Ziele, die Revolut mit Audis Formel 1 erreichen will? Wie ist die Kommunikations-Strategie? Vorstand Martin Gilbert sagt dazu nichts. Auch Co-Gründer Nikolay Storonsky war nicht erreichbar. Jedenfalls blieb der Fragenkatalog von headline unbeantwortet. Revolut hat übrigens Werbeflächen am Münchner Flughafen gebucht und einige Skilift-Masten in Österreich. Aber bringt das Sport-Spirit in die Marke?

Revolut auf der Piste: Markenklarheit? Fehlanzeige

Nach 2 Rennen ist Audi mit Revolut abgeschlagen. Nur selten im TV-Bild, nur 2 Punkte erreicht. Die Tabelle führt Mercedes mit 98 Punkten. Nach dem Grand Prix von Japan, am 29. März, sind erst mal 5 Wochen Pause. Rennabsagen wegen des Kriegs.

Aktuelle Revolut-Kampagne am Münchner Flughafen. Nix F1

5 Wochen, um die Audi-Batterien und den Rest auf Vordermann zu bringen. Nur eine Marke macht mit Audi/Revolut schon ganz gute Geschäfte. Das ist der Adidas. Man verkauft in den großen Shops das Audi-F1-Merchandising. Gleich daneben: der exklusive Mercedes-F1-Fanshop. Die 3-Streifen-AG hat nämlich beide deutschen Formel1-Teams unter Vertrag (wie berichtet).

Rekordumsatz bei Adidas- mit Deutschlands bescheidenstem CEO

in Artikel

Es gibt nur 5,5 Millionen Norweger. Aber sie gehören konstant zu den weltbesten im Sport. Jetzt gibt es einen neuen Wikinger auf dem Siegerpodest: Bjørn Gulden, der CEO von Adidas. Mit 24,8 Mrd. € präsentierte er einen neuen Umsatzrekord – cool und ganz ohne Jubelarie.

Ex-Fußballprofi, seit 2023 im Amt: Adidas-Chef Bjørn Gulden

Sein Charme: nordisch. Seine Performance: neutral in schwarz (nur die Socken sind grau). Aber der CEO hat Zahlen von 2025, die grandios und schillernd sind: 24,8 Mrd. Euro Umsatz – Rekord, 13 % Steigerung, Ergebnisverdoppelung auf 2,056 Mrd. €, Gewinn 1,82 Mrd. €. Nordamerika, Europa, China und die Schwellenländer  – überall Zuwächse zwischen 10 und 17 %. In Lateinamerika sogar 22 % plus. 

Lässig: Der Norweger Bjørn Gulden vor der TV-Kamera im Norweger-Pulli

Gulden ist seit Januar 2023 im Amt und überzeugt, dass es weiter aufwärts geht mit Adidas. Die Frauen seien die große neue Zielgruppe des Sportartiklers. Mit Mercedes und neu mit Audi fahre man weltweit mit in der Formel1, habe diverse Show- und Musikstars unter Vertrag (Kampagne Superstar) und rechne allein durch die Fußball-WM mit einem zusätzlichen Umsatz von 1 Mrd. €.

Großauftritt Superstar: Die neue Adidas-Kampagne in der Münchner U-Bahn

Tatsächlich ist Adidas zur kommenden USA/Canada/Mexiko-WM gut gerüstet: 19 Nationalmannschaften werden im 3-Streifen-Design auflaufen. Neben Argentinien, Spanien und Japan auch das deutsche Team. Aber das Turnier ist ein Abschied aus Herzogenaurach. Der DFB spielt in Zukunft in Nike.

„Wir sind ein gutes Team“

Zur Adidas-Hauptversammlung am 7. Mai soll die Dividende pro Aktie um 40 % erhöht werden. Auf 2,80 €. Außerdem soll Springer-Vorstand Mathias Döpfner in den Aufsichtsrat.

Glänzende Augen beim Medaillenspiegel

Der vermutlich für Bjørn Gulden emotionalste Moment der Zahlenpräsentation: Der Medaillenspiegel der vergangenen Winter-Olympiade. Auf Großleinwand, ganz groß. Dort, ganz oben auf Platz 1: Norwegen, Guldens Heimatland. 17 x Gold! Mehr als USA und Deutschland zusammen…

4 Best Brands und 500 Promis

in Artikel

Elegant, aufregend und überraschend: Die 23. Best Brands Gala der Münchner XXL-Agentur Serviceplan. Auf der Bühne im Bayerischen Hof: die 4 besten Marken des Jahres. Im Auditorium: 500 Promis, alles Personal Brands und selbsternannte „Eigenmarken“, die sich in Position warfen.

4 Siegermarken auf der Bühne (v.l.): Marina Mogus (Adidas), Evelyne de Leersnyder (Coca Cola), Enita Ramaj (Ikea) und Mario Winter (Samsung)

Coca-Cola, Ikea, Adidas und Samsung sind die vier ausgezeichneten Marken des Jahres. Wobei sich das Siegerfoto für diese Saison besonders attraktiv zeigt. Mit Marina Mogus (Adidas), Evelyne de Leersnyder (Coca Cola), Enita Ramaj (Ikea) haben drei Marketing-Ladies die Mehrheit auf der Bühne. Für die Kür hatte sich Mario Winter vom Smart Technology-Sieger Samsung, extra neue Sneakers zugelegt. Aber das stylische Schlängel-Tattoo am rechten Fuß von Ikea-Managerin Ramaj brachte irgendwie mehr Aufmerksamkeit.

Überraschend locker: Ex-Finanzminister Christian Lindner

Ein Star des Abends: Ex-Finanzminister Christian Lindner und seine Keynote zur Resilienz. Aber es ging zunächst um ganz was anderes. Lindner launig: „Ich sehe diesen Beitrag auch als eine Form meiner persönlichen Resozialisierung.“ In freier Rede zündete der aktuelle Autoland AG-Vorstand ein Feuerwerk über Glaubwürdigkeit, Krisen und Chancen. Auf die Frage von Rainer Esser (Aufsichtsrat die Zeit) nach einem Fehler, meinte der Ex-FDP-Chef, er hätte als Finanzminister schon früher zurücktreten können.

Gastgeber und Best Brands-Erfinder: Florian Haller, CEO Serviceplan Group

Die Münchner Best Brands-Gala ist für alle Markenmacher und Marketing-Chefs ein Must. Seit 23 Jahren. Gast- und Ideengeber Florian Haller, CEO von Serviceplan, wurde damit selbst zu einer Best Brand.

Festliche Stimmung im Kuppelsaal des Bayerischen Hofs

Die alljährliche Titelvergabe ist das Ergebnis einer repräsentativen NIQ-Studie, bei der sowohl wirtschaftliche als auch emotionale Erfolge von Marken bewertet werden. Diesmal auf der Shortlist: 40 Marken – von Amazon, Alnatura und Apple, bis North Face, Oral-B und Miele.

Erster großer Auftritt des neuen CEO von Pro7Sat1: Nicola Lussana (r.) mit Serviceplan-Manager Florian von Hornstein

Wer ist neu beim Fest? Wer ist weg? Die Best Brands gleichen einem Klassentreffen der Branche. So nutzte Nicola Lussana, der neue CEO von Pro7Sat1, den Event zum ersten großen Öffentlichkeitsauftritt. Der TV-Manager aus dem Reich von Pier Silvio Berlusconi ist komplett mit der Familie von Italien nach München übersiedelt, nimmt täglich Deutschstunden.

Holten den Titel nach Herzogenaurach: die beiden Adidas-Manager Oliver Brüggen und Marina Mogus

Neu in Gala-München war auch Marina Mogus, die Geschäftsführerin von Adidas-Zentraleuropa. Zur Verstärkung brachte sie PR-Direktor Oliver Brüggen mit. Passend zum Award startete Adidas übrigens die aktuelle Superstar-Kampagne u.a. mit Samuel L. Jackson, Kendall Jenner und Baby Keem.

Gute Freunde: Alex Schill (Serviceplan) und Karsten Kühn (Hornbach)

Bei Roastbeef, Wolfsbarsch und „Rotem Bodenschatz“ (Cuvee Rot, St. Antony, 2022) amüsierten sich Alexander Schill, oberster Kreativ-Chef von Serviceplan und Karsten Kühn, der vielfach ausgezeichnete Markentingvorstand von Hornbach. Trotz Pollenattacken zeigte sich Kühn gesprächs- und konditionsstark.

Allemallachen (v.l.): Rainer Esser (die Zeit) fotografiert sich mit Leon Goretzka (FC Bayern), Tommi Schmitt (Moderator) sowie Weltmeister und Buchautor Christoph Kramer

Fußballweltmeister Christoph Kramer, Fast-Weltmeister Leon Goretzka (musste 2014 aus dem Kader) sowie Moderator Tommi Schmitt sollten auf der Bühne den Sport-Talk des Abends liefern. Aber das war leicht schwerfällig. Im Partygetümmel zeigte sich das Trio spielfreudiger.

Münchner Marken-Macher (v.l.): Wiesn-Gastronom Michael Schottenhamel mit Innegrit Volkharth (Bayerischer Hof) und Ronald Focken (Serviceplan)

Einen Hauch von Schumi-Formel1 brachte Top-Manager Peter Falke in die Best Brands. Der Ehrenpräsident des deutschen Markenverbandes ließ jedem Gast ein paar Premium-Socken schenken – und erinnerte damit an das frühere Formel1-Sponsoring von Falke (bei Williams) mit den dazugehörenden Festivitäten.

Schreiben und wissen fast alles über Medien, Marketing und Agenturen: Bärbel Egli-Unckrich (Campaign) und Rupert Sommer (Meedia)

Michael Graeter, der Unkaputtbar-Kolumnist der AZ war nicht im Saal. Er bereitet sich mental auf einen Sitz im Münchner Stadtrat vor. Dafür stand die Fachjournalie fesch gekleidet an der Bar: Bärbel Egli-Unckrich, Chefredakteurin von Campaign Germany, Rupert Sommer, der Multischreiber von Meedia, Rolf Schröter, seit 5 Jahren Chef bei wuv, Jochen Kalka, Geschäftsführer von Schoesslers und bald wieder Chefredakteur sowie der redaktionelle Comm-Branchen-Aufmischer Peter Turi. Nicht entdeckt: New Business-Verleger Peter Strahlendorf und Horizont-Dirigent Markus Gotta.

Comeback in der Münchner Gala-Szene: Steven Althaus (r., Unternehmensgruppe Grenzebach) mit Florian Resinger (BMW)

NIQ, Seven.One Media, Wirtschaftswoche, Die Zeit, RMS und WallDecaux – die Liste der Best Brands-Sponsoren ist viel länger. Und vielleicht kommt 2027 der internationale Anlagen- und Maschinenbauer Grenzebach dazu. Im Chefsessel der Unternehmensgruppe sitzt dort nämlich Steven Althaus. Der Münchner war und ist ein Marken-Macher. Ex-CEO der deutschen Publicis, dann u.a. BMW, Allianz und Credit Suisse. Nach einem Zwischenspiel als selbständiger Berater jetzt also im Chefsessel. Gerade hat Grenzebach einen 100-Mio-Auftrag in den USA an Land gezogen. Grund genug für ein Gala-Comeback…

Mit ihren Best Brands machen sie München zum großen Treffpunkt der Marketing-Branche: Serviceplan-CEO Florian Haller mit seinem Vater Peter
nach oben