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Michael Graeter

4 Best Brands und 500 Promis

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Elegant, aufregend und überraschend: Die 23. Best Brands Gala der Münchner XXL-Agentur Serviceplan. Auf der Bühne im Bayerischen Hof: die 4 besten Marken des Jahres. Im Auditorium: 500 Promis, alles Personal Brands und selbsternannte „Eigenmarken“, die sich in Position warfen.

4 Siegermarken auf der Bühne (v.l.): Marina Mogus (Adidas), Evelyne de Leersnyder (Coca Cola), Enita Ramaj (Ikea) und Mario Winter (Samsung)

Coca-Cola, Ikea, Adidas und Samsung sind die vier ausgezeichneten Marken des Jahres. Wobei sich das Siegerfoto für diese Saison besonders attraktiv zeigt. Mit Marina Mogus (Adidas), Evelyne de Leersnyder (Coca Cola), Enita Ramaj (Ikea) haben drei Marketing-Ladies die Mehrheit auf der Bühne. Für die Kür hatte sich Mario Winter vom Smart Technology-Sieger Samsung, extra neue Sneakers zugelegt. Aber das stylische Schlängel-Tattoo am rechten Fuß von Ikea-Managerin Ramaj brachte irgendwie mehr Aufmerksamkeit.

Überraschend locker: Ex-Finanzminister Christian Lindner

Ein Star des Abends: Ex-Finanzminister Christian Lindner und seine Keynote zur Resilienz. Aber es ging zunächst um ganz was anderes. Lindner launig: „Ich sehe diesen Beitrag auch als eine Form meiner persönlichen Resozialisierung.“ In freier Rede zündete der aktuelle Autoland AG-Vorstand ein Feuerwerk über Glaubwürdigkeit, Krisen und Chancen. Auf die Frage von Rainer Esser (Aufsichtsrat die Zeit) nach einem Fehler, meinte der Ex-FDP-Chef, er hätte als Finanzminister schon früher zurücktreten können.

Gastgeber und Best Brands-Erfinder: Florian Haller, CEO Serviceplan Group

Die Münchner Best Brands-Gala ist für alle Markenmacher und Marketing-Chefs ein Must. Seit 23 Jahren. Gast- und Ideengeber Florian Haller, CEO von Serviceplan, wurde damit selbst zu einer Best Brand.

Festliche Stimmung im Kuppelsaal des Bayerischen Hofs

Die alljährliche Titelvergabe ist das Ergebnis einer repräsentativen NIQ-Studie, bei der sowohl wirtschaftliche als auch emotionale Erfolge von Marken bewertet werden. Diesmal auf der Shortlist: 40 Marken – von Amazon, Alnatura und Apple, bis North Face, Oral-B und Miele.

Erster großer Auftritt des neuen CEO von Pro7Sat1: Nicola Lussana (r.) mit Serviceplan-Manager Florian von Hornstein

Wer ist neu beim Fest? Wer ist weg? Die Best Brands gleichen einem Klassentreffen der Branche. So nutzte Nicola Lussana, der neue CEO von Pro7Sat1, den Event zum ersten großen Öffentlichkeitsauftritt. Der TV-Manager aus dem Reich von Pier Silvio Berlusconi ist komplett mit der Familie von Italien nach München übersiedelt, nimmt täglich Deutschstunden.

Holten den Titel nach Herzogenaurach: die beiden Adidas-Manager Oliver Brüggen und Marina Mogus

Neu in Gala-München war auch Marina Mogus, die Geschäftsführerin von Adidas-Zentraleuropa. Zur Verstärkung brachte sie PR-Direktor Oliver Brüggen mit. Passend zum Award startete Adidas übrigens die aktuelle Superstar-Kampagne u.a. mit Samuel L. Jackson, Kendall Jenner und Baby Keem.

Gute Freunde: Alex Schill (Serviceplan) und Karsten Kühn (Hornbach)

Bei Roastbeef, Wolfsbarsch und „Rotem Bodenschatz“ (Cuvee Rot, St. Antony, 2022) amüsierten sich Alexander Schill, oberster Kreativ-Chef von Serviceplan und Karsten Kühn, der vielfach ausgezeichnete Markentingvorstand von Hornbach. Trotz Pollenattacken zeigte sich Kühn gesprächs- und konditionsstark.

Allemallachen (v.l.): Rainer Esser (die Zeit) fotografiert sich mit Leon Goretzka (FC Bayern), Tommi Schmitt (Moderator) sowie Weltmeister und Buchautor Christoph Kramer

Fußballweltmeister Christoph Kramer, Fast-Weltmeister Leon Goretzka (musste 2014 aus dem Kader) sowie Moderator Tommi Schmitt sollten auf der Bühne den Sport-Talk des Abends liefern. Aber das war leicht schwerfällig. Im Partygetümmel zeigte sich das Trio spielfreudiger.

Münchner Marken-Macher (v.l.): Wiesn-Gastronom Michael Schottenhamel mit Innegrit Volkharth (Bayerischer Hof) und Ronald Focken (Serviceplan)

Einen Hauch von Schumi-Formel1 brachte Top-Manager Peter Falke in die Best Brands. Der Ehrenpräsident des deutschen Markenverbandes ließ jedem Gast ein paar Premium-Socken schenken – und erinnerte damit an das frühere Formel1-Sponsoring von Falke (bei Williams) mit den dazugehörenden Festivitäten.

Schreiben und wissen fast alles über Medien, Marketing und Agenturen: Bärbel Egli-Unckrich (Campaign) und Rupert Sommer (Meedia)

Michael Graeter, der Unkaputtbar-Kolumnist der AZ war nicht im Saal. Er bereitet sich mental auf einen Sitz im Münchner Stadtrat vor. Dafür stand die Fachjournalie fesch gekleidet an der Bar: Bärbel Egli-Unckrich, Chefredakteurin von Campaign Germany, Rupert Sommer, der Multischreiber von Meedia, Rolf Schröter, seit 5 Jahren Chef bei wuv, Jochen Kalka, Geschäftsführer von Schoesslers und bald wieder Chefredakteur sowie der redaktionelle Comm-Branchen-Aufmischer Peter Turi. Nicht entdeckt: New Business-Verleger Peter Strahlendorf und Horizont-Dirigent Markus Gotta.

Comeback in der Münchner Gala-Szene: Steven Althaus (r., Unternehmensgruppe Grenzebach) mit Florian Resinger (BMW)

NIQ, Seven.One Media, Wirtschaftswoche, Die Zeit, RMS und WallDecaux – die Liste der Best Brands-Sponsoren ist viel länger. Und vielleicht kommt 2027 der internationale Anlagen- und Maschinenbauer Grenzebach dazu. Im Chefsessel der Unternehmensgruppe sitzt dort nämlich Steven Althaus. Der Münchner war und ist ein Marken-Macher. Ex-CEO der deutschen Publicis, dann u.a. BMW, Allianz und Credit Suisse. Nach einem Zwischenspiel als selbständiger Berater jetzt also im Chefsessel. Gerade hat Grenzebach einen 100-Mio-Auftrag in den USA an Land gezogen. Grund genug für ein Gala-Comeback…

Mit ihren Best Brands machen sie München zum großen Treffpunkt der Marketing-Branche: Serviceplan-CEO Florian Haller mit seinem Vater Peter

Star-Club München (3): Die geheime Gästeliste vom Café Extrablatt

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Sie sind alle irgendwie im Schlafwagen-Modus: München und seine Promis. Die täglichen Schickeria-Reports von Graeter & Co. gibt´s nicht mehr. Stadt und VIPs müssen jetzt selber schreiben, auf Instagram und so. Aber das Münchner Bussi-Bussi-Schaulaufen gibt´s noch. Wer kann da aktuell mitspielen? Wer hat überlebt? Die geheime Gästeliste „Cafe Extrablatt“.

Karriere-Start Schwabing: Uschi Obermaier in der Muenchner Disco „Edith“ im April 1979. Fast alle Fotos diese Reports sind von Guido Krzikowski

Uschi Obermaier: Vom Schwabinger Discotanzboden in die große Welt. Frech, sexy und emanzipiert: Münchens erfolgreichstes Evergreen-Testimonial. Schauspielerin, Autorin, Fotomodell (Helmut Newton, Richard Avedon) und bis heute aktuell (Stern, Playboy etc.). Geblieben ist die Liebe zur Musik: Bis vor kurzem angeblich alljährliche Top-Secret-Urlaube mit einem Rockstar. Nix genaues weiß man nicht.

Heidi Klum im BR-Studio: perfektes Marketing für sich und die Stadt

••• Heidi Klum: Sie ist die neue Queen im München-Marketing! Während die lokalen Medien das übliche Wiesn-Vorprogramm abspulen (teuerstes Dirndl, bestes Bier), feierte die Blondine vorm Anstich ihr HeidiFest. Lederhosen-Highlive im Hofbräuhaus und auf allen Kanälen. So kess war München schon lange nicht mehr. Imagepolitur von Tokio bis LA.

Gute Freunde: Kolumnist Michael Graeter mit Weltstar Mario Adorf

•• Michael Graeter: Der Ex-AZ-, Bild– und BUNTE-Kolumnist wurde selbst zum VIP, ist mit 84 immer noch im Promi-Ausguck. Aber der Münchner leidet am Stefan-Raab-Syndrom („wo sind meine vielen Fans?“). Streicheleinheiten von Lebensgefährtin Sandrine (siehe StarClub 2), Aufbau-Telefonate von Langzeit-Spetzi Mario Adorf.

••• Mario Adorf: Mit einem unmoralischen Angebot erschütterte er 1986 die komplette Münchner Schickeria. „„Ich scheiß´ dich zu mit meinem Geld“, sagte er in Kir Royal zum Klatschreporter Baby Schimmerlos (1,3 Mio Abrufe auf Youtube). Freundschaft blieb zum echten „Schimmerlos“ Graeter. Z.B. gemeinsame Bootstouren in St. Tropez.

Made in Munich: Das Promi-Jäger-Team Graeter/Krzikowski und der Bardot-Skandal

• Brigit Bardot: Hat mutmaßlich keine gute Erinnerungen an München. 1966 flog ihre Geheimhochzeit mit Gunter Sachs auf (Whistleblower am Münchner Flughafen). Dann fotografierte sie ein Münchner Fotograf, als sie in St. Tropez einen Touristen watschte. Autschi! Der „Prügelfotograf“ im Juli 1984: Guido Krzikowski.

Guido Krzikowski: Plant große Fotoausstellung über Stadtteil Haidhausen. Foto: Barbara Stempfle

•• Guido Krzikowski: Der Münchner war jahrzehntelang im Einsatz für große Verlage. Oft mit Promi-Reporter Graeter. Wie clever einst das Leute-Reporting ablief, schildert er im Fall Romy und Magda Schneider. Streng abgeschirmt feierten die beiden Stars am 17. Mai 1979 in München Geburtstag. Krzikowski: „Wer hatte im Restaurant einen Tisch? Der Michael Graeter mit mir im Team.“ Magda Schneider sei entzückt gewesen, als ihr der Kolumnist einen Strauß Veilchen überreicht.
Graeter: „Können wir nicht ein kleines Geburtstagsfoto machen?
Magda Schneider: „Ja, aber gerne, Michi.“
Graeter: „Vielleicht mit der Romy zusammen?“
Magda: „Ja, aber gern, komm Romy.
Graeters Teamkollege schoss eine Serie von Bestseller-Fotos – exklusiv am 18. Mai 1979 in der Abendzeitung.

Draußen wartete die versammelte Presse. Drinnen lief die exklusive Leute-Story für die AZ

•• Marie von Waldburg: Die Münchner Journalisten war eigentlich die letzte große VIP-Kolumnistin. Graeters Mehrfach-Nachfolgerin. Erst Abendzeitung, dann BUNTE (bis 2016). Führte sanftere Promi-Schreibe ein; mehr Kuscheln, weniger Killer. Trotzdem taffe Exklusiv-Jägerin (siehe Star-Club, Folge 1). Heute immer noch beliebte & anerkannte Marke.

Star-Club München (2): Herr Graeter, leben Sie noch?

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Schampus & Schickeria – in Folge 2 unserer Retro-Serie über Prominente geht es um „Leute“. Die Kolumne war Herzstück des einstigen Erfolgs der Münchner Abendzeitung. People-Marketing in Perfektion. 300.000 Auflage. Herz-Schmerz-Chefautor: Michael Graeter. Er war der Herrscher der Promis, entschied jahrzehntelang, wer drin ist und wer nicht. Und wir fragen: Lebt er eigentlich noch?  

Liebe gibt´s auch in Graeters Vita: Hier mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Sandrine im Münchner Botanikum vor einem Jahr – Exklusiv-Fotos (3): Guido Krzikowski

Treffpunkt Wallner, Gaststätte Großmarkthalle München, Tisch 318: Ja, er lebt noch. Kein Übergewicht, kein Hörgerät, charmant, verschmitzt, modebewusst (wie gewohnt mit der Andy-Warhol-Krawatte). Graeter ist 84, seit 29. Juli. Wie sein Job ab 1970 bei der AZ funktionierte, zeigt die TV-Serie „Kir Royal“. Er war und ist „Baby Schimmerlos“.

Fesch, fit und mit Andy Warhol: Michael Graeter beim Interview

Der Münchner Journalist war unumschränkter König der Promis. Seine Kolumnen durfte niemand redigieren. Er entschied über die Bilder. Und die Klientel, 1000 Promis der 1. Kategorie, 1000 aus der 2. Liga sowie Millionen Leser, wartete gespannt auf den Output. Graeter wurde geliebt, geschätzt und gehasst Erst bei der Abendzeitung, dann bei Bild (Aufl. 5,4 Mio) und Bunte (10 Seiten jede Woche).

In schwarz-weiß, aber schön: Filmstar Sophia Loren schreibt 1979 dem Kolumnisten eine Widmung ins Buch. Tatort: München. Text: nicht übermittelt

Was war sein Erfolgsrezept? Er sagt: „Ich habe hart gearbeitet, ein Netzwerk aufgebaut aus Informanten und Freunden.“ Mit einem Fotografen im Team (meistens Franz Hug, aber auch Guido Krzikoswki) eroberte er die große weite Glitzerwelt. Bambi, Oscar, Cannes, Venedig, London, New York. US-Minister Kissinger beim Friseur, Sophia Loren über die Liebe, das Geheim-Fest der Romy Schneider. Alles exklusiv. Und alle standen am Gartenzaun und guckten staunend rüber.

Mein Gott, war die süß: Sisi-Filmstar Romy Schneider beim Geburtstag ihrer Mama Magda im Münchner „Walterspiel“. Bei Graeter weltexklusiv (mehr im Star-Club, Folge 3)

Warum aber der Abstieg ins Gefängnis für den berühmten Kolumnisten und Unterhaltungs-Unternehmer (3 mal Café Extrablatt, 3 Kinos)? Er sagt: „Missverständnisse, Pech und Pannen.“ Laut Wikipedia kassierte 2002 Graeter 14 Monate auf Bewährung wegen Insolvenzverschleppung, Bankrott und Veruntreuung von Arbeitsentgeld. Er schimpft: „Das sind Grimms Märchen. Keine Insolvenz, sondern verkauft, nur 8 Monate nicht 14.“

Recherche Oldschool: die wichtigsten Infos werden handschriftlich notiert. Michael Graeter (84) wie immer einsatzbereit

Als er 2008 in die JVA Landsberg einfährt, ist die Welt eine andere, besonders für viele Journalisten. Sie haben auch Handys und Computer. Aber keinen Job mehr. Controller hatten die Macht in den Verlagen übernommen. Geld fehlte, Anzeigen fehlten, Abos fehlten. Online war billiger. Einfach abschreiben und raus.

Bestseller aus den 80ern: Graeters Promi-Lexikon. 3 Auflagen, 120.000 verkauft

Nach dem Gefängnis macht Graeter auch „Internet“ (StarTV). Und Video („Star-Journalist packt aus“). Und Talks auf Privatsendern. Aber dafür gibt´s keine Festanstellung und kaum Cash. Der Ex-Star-Schreiber durchleidet die Qualen aller Marketing-Kreativen. Weil damals für Print die großen Werbekampagnen eingestellt werden, müssen auch diese Texter und ADs vom Hof. Die Agenturen stöhnen und lamentieren, die Printbranche auch.

Topaktuelles Projekt des Promi-Schreibers: Sonnenbrille mit Testimonial Steve McQueen

Graeter nicht. Er hat noch gute Freunde, ist weiters beseelt vom exklusiven People-Journalismus. Mit Dschungel-Königen und Schmuckdesign-Influencerinnen? Graeter winkt ab: „Rauschende Feste, kreative Industriebosse und Rosenkriege gibt es nach wie vor.“ Aber weil die Redaktionen im Schlafwagenmodus arbeiten würden, sei nix Aufregendes im Blatt. „Es gibt kein Herzblut mehr, keine Kondition, kein Netzwerk.“

Es war einmal: Greaters Café Extrablatt. In München, direkt hinterm Siegestor, heißt jetzt Bar Giornale

Mit 84 sitzen viele Männer abgekämpft auf der Hausbank. Die neue Generation fährt E-Bike, trägt Sneaker und arbeitet weiter. Wie der Graeter Michi. Und wir sind alle ein bisschen traurig. Würden gern wissen, wie Kir Royal weitergeht…

Lesen Sie in der Star-Club-Folge 3: Café Extrablatt und die geheime Gästeliste (kommt bald)

Häuser & Ehm: Wagnis einer Blattkritik

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Aufm Tisch liegt Meedia, das neue Printmagazin aus München. Daniel Häuser (Clap) und Peter Ehm (headline1), zwei Chefredakteure, blättern und lesen und sagen, wie´s ist oder mal war.

Ehm: Wir waren ja beide bei der w&v, der Fachzeitschrift werben und verkaufen, genauso wie der Meedia-Chefredakteur Matthias Oden. Kann er´s?

Häuser: Peter, schwer zu sagen, dafür kenn´ ich ihn noch zu wenig. Er war zu einer ganz anderen Zeit bei w&v als du und ich.  

Ehm: Auf jeden Fall ist plötzlich Bewegung drin im Markt. Passiert bei Clap auch mal wieder was Neues?

Ist freundlicher als auf der Editorial-Bild: Chefredakteur Daniel Häuser

Häuser: Nee. People-Geschichten wie immer. Aber es hält sich irgendwie.

Ehm: Meedia hat ja diesen sagenumwobenen Verleger Timo Busch. Hast Du den mal getroffen?

Häuser: Natürlich. Bei der letzten Publisher’s Night in Berlin. Er verwickelte mich in ein freundliches Gespräch über die Branche.

Ehm: Und, hat er verraten, warum sein Meedia-Heft plötzlich in München erscheint?

Häuser: Nein, aber wir sind jetzt trotzdem Nachbarn im Münchner Westend.

Chefredakteur Peter Ehm: Mit headline1 produziert er auch Printprojekte

Ehm: Wir waren ja beide beim einstigen Europamarktführer w&v. Knapp 50.000 Auflage pro Woche. Aber da ist ja irgendwie die Luft raus. Nach gefühlten 100 Jahren verzog Chefredakteur Jochen Kalka nach Berlin, Umstellung auf monatlich. Kommt jetzt Meedia groß raus?

Häuser: Sorry. Ich habe da eher so grundsätzliche Überlegungen…

Ehm: Bitte die Fakten, Herr Häuser.

Häuser: Wir beide haben doch Ende der 90er, Anfang der nuller Jahre die aufregendste Zeit der Kommunikationsfachpresse erlebt. Wir haben unseren Beruf gefeiert. Das Park Café war unser Zuhause. Die Arbeit war nicht easy. Aber man konnte was wagen. Jede Woche 200 Seiten Produktion. In der Spitze gab es die gelumbeckte Ausgabe mit 324 Seiten. Wir waren die Marktführer und mit diesem Gefühl sind wir morgens in die Karlstraße (lacht). Unser w&v-Titel mit Rolf Schmidt-Holtz mit der schönen Zeile „Wer will mich?“ hing jahrelang vor dem Eingang zur Chefredaktion. Ressortleiter Stefan Braunschweig stellte manchmal zum Scherz die Frage: Gibt es im Markt überhaupt so viele Stories für die vielen Seiten?

Ehm: Es gab sie, die Super-G´schichten und die wurden ja immer besser. Weißt Du noch, wie ich damals diesen Top-Mann von der Bild geholt habe, der die Skandalgerüchte aus der Marketingbranche hart recherchiert hat. Seine Stories brachten uns dann Schlagzeilen in der Bild. Das ist für mich die hohe Schule des Marketings.

Häuser: Ja die Geschichte erzählst du ja sehr gerne. Wichtig war auch immer die „Blutgrätsche“, wenn was nicht gepasst hat. Oder? Du kommst eben aus dem Boulevard der Abendzeitung. Aber zurück zur Sache. Ich meine, dass die w&v mit ihren Köpfen die Szene über Jahrzehnte geprägt hat und jetzt anderswo immer noch prägt: Andreas Werb, Michael Geffken, Andreas Knaut, Christian Faltin, Kerstin Richter, Klaus Eck, Elke Löw, Burkhard Riering, Andreas Vill, Judith Pfannenmüller, Stefan Krüger. Fallen Dir noch ein paar Namen ein?

Ehm: Denk mal an Konstantin Korosides, den Pressechef von „unister“. Nach der Skandal-Insolvenz mit Flugzeugabsturz war unser Ex-Kollege auf allen TV-Kanälen. Mir fällt jedenfalls im Rückblick neben den Verlagschefs Michael Boos und Martin Korosec unsere Ex-Nachrichtenchefin Katja Pichler ein, die am Dachstein so tragisch verunglückt ist. Das waren und sind lauter Big Names.

Häuser: Katja Pichler habe ich leider erst so richtig als knallharte ProSiebenSat.1-Sprecherin kennengelernt. Schockierende Sache damals, selbst die tz hat darüber berichtet. Was ich sagen wollte: Der unglaubliche w&v-Erfolg wurde von außen unter die Lupe genommen und so entstand ab 2005 eine Welle von neuen Produkten für die Kommunikationsbranche. Die waren größtenteils spezieller, wie auch unser People-Magazin Clap und sorgten für Konkurrenz.

Ehm: Du meinst, das Meedia-Magazin ist eine Wette darauf, dass die guten alten Zeiten wieder zurückkommen?

Der neue Branchen-Titel aus München mit Dankesanzeige auf der U4

Häuser: Keine Ahnung. Vielleicht denkt man sich, dass Corona für eine Veränderung sorgen könnte. Zum „Griff nach der Krone“ – wie auf dem ersten Titel angekündigt – reicht es nach nur einer Ausgabe nicht.

Ehm: Mal Tacheles. Harte Recherche, mitreißende Stories und überraschende Meldungen sind aber doch grundsätzlich viel zu wenig zu erkennen in der Fachpresse. Ich bin oft gelangweilt. Sind wir mit unserem Journalismus-Drill Old School?

Häuser: Ich glaube nicht, dass es „Old School-Journalismus“ gibt, sondern nur guten oder schlechten.

Ehm: Ja, aber wenn mir ein Redakteur sagt „ist eh´ bloß ´ne kleine Meldung“, schmeiß ich ihn raus.

Häuser: Oder er kriegt von dir ´ne Abmahnung (lacht schon wieder). Peter, du weißt ja, ich hab Journalismus studiert und ich bin gern Journalist. Es gilt immer noch: aufschreiben, was man recherchiert hat, wenn es stimmt. Die Verteidigungslinien auf der anderen Seite sind aber fieser geworden. Wenn beispielsweise ein Boss von A nach B wechselt, dann gibt es für mich keine Diskussionen. Das ist Fakt und wird publiziert.

Ehm: Ob im Boulevard- oder im Fachbereich: der Respekt gegenüber Print ist irgendwie weg und damit auch die Anerkennung als „höchste Instanz der Öffentlichkeit“. Wenn ich an Beate Wedekind denke oder an Michael Graeter. Bei denen standen die Super-Promis auf der Matte. Frei nach Baby Schimmerlos „wer drin ist, ist drin“. Jetzt muss man froh sein, dass es Print überhaupt noch gibt.

Häuser: Peter, musst du denn nicht langsam wieder zurück nach Wolfratshausen.

Ehm: Da wohn´ich schon seit über zehn Jahren nicht mehr. Sind jetzt in Haidhausen. Außerdem muss ich weg. Vorm Haus Blaulicht und Aufregung. Die Feuerwehr ist da. Notarzt, Straßensperre. Vielleicht schon wieder ´ne Super-G´schicht…

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