Trauer um Michael Ramstetter
München – Die Zeit beschrieb ihn als „einen der mächtigsten Medienmacher der Republik“. Für andere war er der Skandal-Rambo des ADAC. Michael Ramstetter, der ehemalige Kommunikationsdirektor des Autoclubs, starb jetzt in Starnberg.
„Geht nicht, gibt´s nicht“ – lange vor den Werbetextern war das sein Leitspruch. Wer das nicht verstand, der hatte es schwer unter seinem Kommando. Ich kannte Michael Ramstetter seit 37 Jahren. Damals bei BUNTE. Er hatte z.B. die Idee, den König-Ludwig-Weg groß zu zeigen. Fotos zu allen Stationen. Zum Ausklappen. Mit zwei Stickern fürs Auto. In drei Tagen? Klappte – mit Nachtschicht.
Nach Burda (Online, Reisemagazin Holiday) fand er mit 45 endlich seine berufliche Erfüllung. Beim ADAC. Ramstetter wurde Chefredakteur der Motorwelt. Mit Vollgas brachte er das verstaubte Monatsblatt auf modernes Illu-Format. Das Magazin lieferte u.a. mit dem alljährlichen Tunnel-Test, dem Campingplatz-Test sowie dem Strand- und Skipisten-Test vielzitierte News. Smart verkauft von Chefredakteur Ramstetter, der zusätzlich die Leitung der gesamten ADAC-Unternehmenskommunikation übernahm.
2004 eine neue Idee aus der Ramstetter-Werkstatt: der „Gelbe Engel“. Jedes Jahr verteilte der ADAC Preise an viele Automarken (wenigste Pannen, bester Newcomer, beste Mittelklasse, Leser-Voting, etc.). Der „Gelbe Engel“ wurde zum international beachteten Auto-Oscar. Die Konkurrenz von Bild & Co. („Goldenes Lenkrad“, etc.) waren wieder mal sauer. Ihre Awards rückten durch den ADAC-Engel in die zweite Reihe.
Natürlich feierte die Motorwelt ihre Sieger. Mit unglaublicher Reichweite. Auflage: knapp 14 Millionen Exemplare. Sie war Mittelpunkt eines neuen ADAC-Verlagsimperiums. Mit Ramstetter am Dirigentenpult.
Dann der Skandal: Im Februar 2014 kam heraus, dass die ADAC-Sieger-Rankings manipuliert waren. Auch die Teilnehmerzahlen. Das war der Start zu einer großen Hetzjagd. Im Visier der kompletten deutschen Medienlandschaft: Michael Ramstetter, der Engel-Erfinder und Medien-König. Er war irgendwie Sündenbock für alles, was dem ADAC jemals vorgeworfen. wurde. Unschuldsvermutung? Tja, war doch alles klar…
Der Skandal erschütterte den Auto-Club. Die deutschen Hersteller gaben 40 Engel wieder zurück. Der Präsident ging und 380.000 kündigten ihre ADAC-Mitgliedschaft. 370.000 kamen neu dazu. Aus der Akte Ramstetter: Nach fünf Tagen stellte Bild die Hausbelagerung ein. Die Münchner Staatsanwaltschaft wollte ihn wegen eines mehrstelligen Millionenschadens anklagen. Verfahren eingestellt. Wegen Selbstgefährdung musste er in ärztliche Behandlung.
Wie lebt sich´s als Verurteilter ohne Prozess? Status weg, Glamour weg, Freunde weg. Wichtigste Stütze: Ehefrau Ilona, die ehemalige Chefredakteurin des Münchner Merkur und Pressechefin der Sparkasse. „Ein paar Freunde habe ich schon noch“, sagte er mir im Frühjahr am Telefon. „Und einen Hund. Aber was früher eine Stunde dauerte, dafür brauch´ ich jetzt einen halben Tag.“ Michael Ramstetter war krank geworden. Krebs. Am 1. Dezember starb er in Starnberg. Er wurde 69.