Die neue Ossi-Zeitung: leider ohne Schneeballschlacht

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Das war ja fast wie früher: Die Menschen stürmten in die Geschäfte – und bekamen nix. Es geht um die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ). Drei Tage nach Ersterscheinung sprach der Verlag von „Versorgungsengpässen“, kündigte Nachlieferungen an. 43.000 Exemplare waren verkauft. Hier der Marketing-Check des neuen Print-Titels.

Erste Titelseite der neuen Wochenzeitung

Also rein PR-technisch kann der Berliner Verleger Holger Friedrich stolz sein. Die Konkurrenz sparte nicht an harter Kritik und/oder lobenden Hymnen – und so wurde die Ossi-Zeitung schnell bekannt. Der Einzelverkaufspreis liegt bei schlanken € 3,90, somit günstiger als die Zeit (€7,30) oder die SZ (€ 4,50).

Mit launiger Überschrift präsentierte sich das Autohaus Koch

„Unabhängig. Mutig. Gewaltfrei.“ So der Claim der neuen Wochenzeitung mit Sitz in Dresden. Es sollen Störfeuer gezündet und dem Zeitgeist die Leviten gelesen werden. Aber wie reagierte der Anzeigenmarkt auf solche Parolen?

Gratulierte: OAZ-Anzeigenkunde Gerhart Hauptmann Theater

Eigentlich gut. Immerhin kostet eine Seite Anzeige € 47.530,-, die halbe laut Preisliste € 23.814,-. Insgesamt 8 Seiten Anzeigen wurden zur Premiere verkauft (u.a. Gerhart Hauptmann Theater, Trade Republik, Möbel Höffner, Volvo Koch und der Friedrichstadt-Palast).

Auch dabei in der 1. Ausgabe: der Friedrichstadt-Palast

Bei allem Ernst („Warum ich kein Wessi mehr sein will“) und Selbstbewusstsein („Wir sind das neue Leitmedium aus dem Osten“), ist das Ressort Unterhaltung/Events in der OAZ irgendwie untern Tisch gefallen. Andere Leitmedien betreiben mit Kongressen erfolgreich Markenbildung und Leserbindung. In der Ossi-Zeitung gibt´s nur die üblichen Leserreisen (z.B. 4 Tage Usedom ab € 270,-).

Ein bisschen Spass muss sein

Kein Kongress, keine Kino-Preview, kein Cartoon, nix zum Schmunzeln, keine Überraschung. Und das zum Start. Dabei hätte z.B. der Aufruf zu einer internationalen Schneeballschlacht für großes Echo gesorgt (wie an der Münchner Pinakothek). Oder ein Gesangs-Flashmob mitten in Dresden. Aber auf 56 Seiten war kein Platz für Spaß und Unterhaltung. Kommt vielleicht noch…

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