Und es gibt sie doch: Euphorie bei den Münchner Medientagen
Das Heulen und Zähneknirschen übertönte fast den Baulärm vom Ostbahnhof: Wir sind bei den 40. Münchner Medientagen. Sorgen und Bedenken der Branche ähneln denen der Vorjahre. Dabei gab´s auf dem Veranstaltungsgelände eine Insel von Euphorie und Zuversicht.

Diese Insel befand sich zwischen Nachtkantine, Werk 1.4. und dem Technikum im Münchner Werksviertel. 600 Meter entfernt vom Medientags-Gedränge in der kunstbestückten Agentur Serviceplan, traf sich die jugendliche Zielgruppe zur Medienexkursion. Wie funktioniert eigentlich eine Keynote? Marcus John Henry Brown erklärte das auf der „Media Idol Stage“. Volle Reihen auch bei Eike Immisch von Referat „kreativ München“. Er beantwortete die Frage, ob´s Geld gibt für neue Medien-Ideen.

Schulklassen, Punks und Jung-Kreative pilgerten zwischen den Stages, einer Jobmesse und den verschiedenen Uni- und Hochschulständen. Fazit: Die Medien üben immer noch große Faszination aus. Allerdings nicht in allen Ressorts, wie z.B. im Print.

„Ich lese heute keine einzige Zeitung mehr“, erklärte Ministerpräsident Markus Söder beim Eröffnungstalk der Medientage. Früher hätte er auf der Fahrt zum Dienst zehn Titel durchgelesen. Nun laufe alles digital. Allerdings sollte der Schutz für die Verlagshäuser ausgebaut werden. In Sachen geistigem Eigentum müsse Europa eine stärkere Rolle spielen.

40 Jahre Münchner Medientage – das war auch Anlass für leicht wehmütige Rückblicke. So erinnerte sich Focus-Gründer Helmut Markwort an die legendären von ihm geführten Elefantenrunden: „Wir hatten alle Koryphäen aus der Szene auf der Bühne und im Publikum saßen die Player aus ganz Deutschland.“

Die Koryphäen von heute waren auch bei der aktuellen Veranstaltung. Aber sie sind nicht mehr so bekannt wie ihre Vor-Vor-Vorgänger. Durch Online und KI hat sich die Anzahl der Ressorts potenziert. Für sie ist Vor-Ort-Aufmerksamkeit weniger wichtig. Für sie steht Effizienz und Effektivität im Vordergrund. Das ist auch modisch zu erkennen. Einzig die weißen Sneaker sind noch so was wie ein Branchen-Erkennungszeichen. Aber dazwischen laufen immer häufiger Braun und Schwarz…
