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2 Münchner G´schicht´n

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München leuchtet! „Aber nur von Obergiesing bis Unterhaching“, lästern Marketingexperten. Stimmt´s? 2 G´schicht´n.

180 Seiten Programm: Das Filmfest hatte mit Tele5 und Hofbräu zwei Top-Sponsoren
Leicht einsam: Eine Filmfest-Werbefahne vor dem Münchner Rathaus
Verlassen: Der BMW-Flagship-Store auf dem Berliner Kudamm

München ist derzeit wieder mal magisch und magnetisch: Millionen Touristen sind fasziniert von der Stadt. Die Anleger auch. Sie kassieren gute Renditen. Aber was macht eigentlich die Stadt selbst? Was kommt aus München? Stichwort Image, Marke, Marketing. Wo und wie setzt München internationale Benchmarks? Was bringt die Stadt zum Leuchten? Zwei Spotlights auf zwei Münchner Marken.

Fall 1: das Münchner Filmfest.
Die Verantwortlichen vergleichen das Kino-Event (27.6. – 6.7.) schon mal mit Cannes oder Berlin. Aber das ist untertrieben. In München gibt´s nämlich in zehn Tagen so viele Filmpreise wie sonst nirgendwo. 15 Awards waren es diesmal. Wer als Topstar anreist (Antonio Banderas, Louis Garrel und Ralph Fiennes), der wird mit Ehr´ und Preis belohnt. Aber Hollywoodfeeling? Talk in town? Fehlanzeige.

Die Zeitungen spulten ihr Party-Pflichtprogramm ab; Medienpartner Süddeutsche Zeitung spendierte ein 8-Seiten-Spezial („Und jetzt, die Zukunft“). Es gab einige Straßenbahn-Aufkleber, zwei Fahnen auf dem Marienplatz und Plakatwürfel. Aber die filmischen Schlagzeilen kamen z.B. aus Köln: Dort war Premiere der Fußballer-Kinodoku über und mit Toni  Kroos. Nicht einmal Til Schweiger lieferte für München: Sein neuestes Hollywood-Projekt verkündete der Schauspieler zur besten Filmfestzeit im niederbayerischen Passau.

Dabei sollte das Filmfest 2019 so richtig durchstarten. Das wünschte sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Er ließ über eine Million Euro zusätzlich für das Event investieren. Resümee: „Das 37. Filmfest München beeindruckte durch leidenschaftliche Filme, die allerdings häufig schon bei anderen Festivals Preise gewonnen hatten“, notierte der „Filmdienst“.

Fall 2: BMW
Wer als Fußball-Sponsor in der UEFA Champions League mitspielt, der ist so was wie im Marketingparadies angelangt. Nach diversen Fehltritten (Formel1, America´s Cup) wollte BMW nun auch den Aufstieg zu den Sponsoring-Champions. Als neuer Automobilausrüster des FC Bayern München.

Vor über 20 Jahren war die Ausgangslage umgekehrt. Damals hätten die Fußballer BMW gern als Sponsor gehabt. Nein danke, hieß es einst aus dem Vorstand. Golf sei internationaler, Tennis viel sauberer. So wurde Audi Partner und Anteilseigner des FC Bayern.

Audi raus, BMW rein: Für diesen Transfer wollte BMW tief in die Tasche greifen. An den Münchner Fußballclub sollte eine dreistellige Mio-Summe gehen. Entsprechend war der mediale Response. Alles sei unterschriftsreif gewesen, recherchierten die Kollegen der tz. Da beharrte BMW auf eine Ausstiegsklausel. Die Bayern nicht. Vertrag geplatzt. Nun stehen Schadensersatzforderungen von mindestens 20 Mio Euro im Raum.

Und die Rallye der Negativschlagzeilen ging weiter: Ein Verlustquartal (310 Mio), die Suche nach einem neuen Konzernchef.

Im Wirbel um Zahlen und Personal blieb fast unbemerkt, dass BMW einen wichtigen Standort einfach räumte: Den großen Flagship-Store auf dem Berliner Kudamm gibt´s nicht mehr (Foto).

Der Survivor von Publicis

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Er ist so was wie der German Survivor im Reich von Publicis: Nach 18 Jahren verlässt Mathias Wündisch, 46, die Agentur und seinen Chefsessel als Managing Director. Warum? Wohin? – Das Exklusivinterview.

Publicis-Marke Mathias Wündisch (re.): Gesellig und bestens vernetzt, hier bei einem Sommerfest mit dem Ex-Kollegen Steven Althaus und Andrea Kohlendorfer
Nach 18 Agenturjahren wechselt Mathias Wündisch in die Industrie

 ? In 18 Jahren haben Sie 10 CEO überlebt, Dutzende von Restrukturierungen, Umpositionierungen und Entlassungswellen. Was war Ihr Survivor-Rezept?

Mathias Wündisch: Ganz einfach: das waren gute Zahlen.

? Wie bitte? Ist das alles?

Wündisch: Im Prinzip ja. Gute Zahlen erfordern allerdings ein gutes Team, Leidenschaft, gute Strategien und natürlich auch etwas Glück. All das hatte ich. Darauf bin ich stolz.

? Als bayerischer Statthalter haben Sie etliche Kreativpreise gewonnen, darunter auch einen Cannes-Löwen. Was war Ihr größter Erfolg?

Wündisch: Ich habe Publicis zu einer der größten Agenturen Münchens entwickelt. Uns ist es gelungen, regelmäßig globale Etats zu gewinnen. Außerdem konnten wir die Dauer der durch-schnittlichen Kundenbeziehung in der Agentur von fünf auf neuneinhalb Jahre steigern.

? Ein Erfolg war doch sicher auch, dass Sie aus Dirk Nowitzki ein Top-Testimonial gemacht haben. Fast jeder kennt die Diba-Diba-Du-Melodie.

Wündisch: Ich habe noch nie einen Prominenten erlebt, der in der Werbung so angenehm und professionell gearbeitet hat wie Dirk. Er hat damals schon in der NBA gespielt und war Multimillionär. Aber wir konnten ihn davon überzeugen, mit der DiBa einen Sponsoringvertrag einzugehen, weil wir ein umfangreiches Paket als Hauptsponsor des Deutschen Basketballbunds und umfangreiche Nachwuchsförderung geschnürt haben. Dirk Nowitzki hat mit dem Geld der Direktbank den deutschen Basketball gefördert.

? Ihr Abgang im Spätsommer wurde bisher von Publicis per Pressemitteilung noch nicht vermeldet. In der Branche hat sich´s allerdings schon rumgesprochen.

Wündisch: Also das hat mich verblüfft. Innerhalb weniger Tage hatte ich auf eine gepostete Meldung auf Linkedin über 10.000 Views.


? Wie sehen Sie denn die Zukunft des Agenturstandorts München?

Wündisch: München wird aus meiner Sicht als Kreativstandort unterschätzt, weil man Kreativ- mit Werbestandort gleichsetzt. München ist heute die Digitalmetropole Nummer eins. Warum hat sich IBM mit dem Projekt Watson hier angesiedelt? Weil es hier in München mit der TU, mit Siemens, BMW, Audi, Airbus, Infineon, Amazon, Adobe, Google, Microsoft und anderen ein starkes Netzwerk an digitalen Treibern gibt. Weil aber digitale Transformation ohne Kreativität nicht funktioniert, ist das die große Chance der Agenturen.

? Zu Ihrer Zukunft. Sie gelten als Automotive-Experte, haben ein umfangreiches Netzwerk. Was kommt nach Publicis?

Wündisch: Für mich geht etwas sehr Prägendes zu ende. Ich habe die Agentur immer so geführt, als sei es mein eigenes Unternehmen. Zwischen dem Ausstieg und dem Neustart freue ich mich dann auf etwas Entspannung beim Segeln und Windsurfen und in den Bergen. Mein neuer Verantwortungsbereich wird nicht mehr in einer Agentur sein, sondern ich wechsle auf Industrieseite. Aber ich bleibe in München.

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